Evangelische, staatlich anerkannte Privatschule des Rauhen Hauses.

Eine bedeutsame Inszenierung – eine, die bleibt!

Selten erlebt man Schülertheater so eindrücklich, so atmosphärisch dicht wie in dieser Inszenierung. Wer zu diesem Theaterabend ins Wichern-Forum gegangen ist, durfte und musste mehr als nur Zuschauer sein. Den Darstellern gelang es, die zunehmend bedrückende und bedrohliche Atmosphäre für das Publikum körperlich spürbar zu machen. Zeitweise wurde es regelrecht umzingelt.

Das Stück beginnt scheinbar harmlos. Eine Gruppe von Schülern versucht einem Mitschüler zu beweisen, dass es im Leben Dinge von Bedeutung gibt. Es entsteht ein „Berg aus Bedeutung“.

Doch die Schüler erkennen, dass die Dinge, die sie hier zusammengetragen haben, nicht wirklich wichtig sind. Was aber ist wirklich wichtig? Nach und nach verlangen die Schüler einander Opfer ab und überschreiten dabei immer mehr Grenzen.

Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist eine voller Grausamkeiten, und diese Inszenierung schafft es, nichts zu beschönigen, auch den Zuschauer nicht zu schonen und doch die Gewalt nicht offen zu zeigen. Dies gelingt durch einen Kunstgriff: die Figuren auf der Bühne haben jeweils ein Alter Ego. Im Programmheft werden sie „die Schüler als Erwachsene“ genannt. Sie sind aber mehr als das. Immer wieder doppeln sie die Darsteller, sie kommentieren das Geschehen aus zeitlicher Distanz, dann wieder verschmelzen sie mit ihrem jüngeren Ich zu einer Figur.

Ein Beispiel: In einer Szene graben die Schüler auf dem Friedhof einen Sarg aus. Während die Darsteller mit Schaufeln die Situation visuell darstellen, stehen ihre zweiten Ichs rund um das Publikum und klopfen mit Stäben rhythmisch auf den Boden. Ein fahles Licht, ein Scheinwerfer-Mond und die Geräusche einer stürmischen Nacht unterstützen die ohnehin schon bedrohlich wirkende Atmosphäre, sodass es dem Zuschauer eiskalt den Rücken herunterläuft. Das ist Schultheater vom Feinsten.

Dies war kein amüsanter Theaterabend. Gewiss nicht! Er war aber beeindruckend und intensiv. Dies war Theater, das die Zuschauer bewegt, und die Darsteller – die durchweg glaubhaft und intensiv agierten – sicher auch. Eine tolle Leistung!

(Katrin Burgert)