Evangelische, staatlich anerkannte Privatschule des Rauhen Hauses.

Das Gymnasium. Projekte.

„Wir drei sind jetzt Mama und Papa“ – Angehörige eines schrecklichen Unfalls berichten

Bewegender Abschluss der Projektphase im Biologie-Profil des 3. Semesters

Dieser Unfall bewegte Hamburg vor einigen Jahren: Im Stadtteil Eppendorf verursachte ein Fiat einen schrecklichen Unfall. Vier Unbeteiligte starben dabei. Darunter auch das Ehepaar Mues. Die drei Söhne des Paares verloren ihre Eltern. Im Blut des Unfallverursachers wurden Spuren eines Epilepsie-Medikamentes und der Cannabis-Wirkstoff THC nachgewiesen. Seine Epilepsie-Erkrankung hatte er – das zeigte die Gerichtsverhandlung – verschwiegen, obwohl er bereits vorher Unfälle verursacht hatte. Dieser Unfall war der Aufhänger für das fächerverbindende Profil im Biologie-Profil des 3. Semesters. Lehrerin Monika Varain (Biologie) beschäftigte sich mit den Wirkungsweisen und biologischen Fragen des Konsums von Drogen und Epilepsie, Dr. Matthias Hünsch (Physik) untersuchte, wie entsprechende physikalische Nachweise vom Konsum bestimmter Substanzen erbracht werden – und wie ein Lügendetektor funktioniert. Und Kay Helge Wendler (PGW) steuerte bei, wie die aktuelle Diskussion um die Freigabe von „weichen“ Drogen in Deutschland aussieht – auch in der Politik. Und wie es z.B. in den Niederlanden damit aussieht.

Zum Abschluss der Projektphase wurde es dann nochmals konkret: Die Lehrer hatten Kontakt zu den drei Söhnen der Familie Mues und ihrem Anwalt Wolf Römmig, der die Interessen der Familie im Gerichtsverfahren vertrat, aufgenommen. Obwohl die Familie während des Prozesses vor einigen Jahren „nicht als laute Ankläger“ aufgetreten waren, wie die Richterin am Ende positiv anmerkte, und die Geschichte bewusst nicht öffentlich verkauft hat (Zitat von Sohn Woody dazu: „Unsere Eltern hätten uns gefragt, ob wir bekloppt geworden sind, wenn wir das gemacht hätten“), waren alle Beteiligten umgehend bereit, über das Erlebte zu berichten und Fragen persönlich in der Schule beantworten. Das ist sicherlich keine Selbstverständlichkeit, zumal die drei Söhne sehr eingebundene Schauspieler bzw. Regisseure sind (Theater, Film- und Fernsehen). Dennoch entbanden sie Anwalt Römmig von der anwaltlichen Schweigepflicht. Im Voraus haben wir uns darauf geeinigt, dass alle Fragen zugelassen waren, so kamen wir „dichter“ an das Geschehen heran als jede Zeitung oder sonstiger Bericht.

Zwei Stunden berichteten Anwalt Römmig und Woody Mues (der jüngste der drei Brüder, inzwischen Mitte 20 alt) und gaben einen Einblick in das Verfahren und ihre Gefühle. Herr Wendler, unser PGW Lehrer, fing an mit einigen der spannendsten Fragen, beispielsweise wie Woody zur Höhe der Strafe steht oder wie er über den Vorfall erfahren hat. Dies heizte das Gespräch an, sodass sich schnell auch andere gemeldet haben, um ihre Fragen zu stellen. So berichtete Woody, wie ihn die Todesnachricht im Skiurlaub in Österreich erreichte, wie er die Urne seiner Eltern drei Wochen später zu Grabe trug. Aber auch seine Gedanken zum Umgang mit dem Täter, seine Einschätzung der Strafe und seine Sicht auf die Legalisierung von weichen Drogen kamen zur Sprache. Es wurde auch deutlich, dass es nicht nur vier Opfer zu beklagen galt: Auch Unfallbeteiligte – die nur zufällig vor Ort waren – plagen Gewissensbisse bis heute. Die Angehörigen leiden immer noch.

Die Höhe der Strafe war den Hinterbliebenen gar nicht so wichtig, da Strafen keine Tote zurückholen können. Das Wichtigste, dass keine weiteren Menschen so geschädigt werden sollten, wie die Söhne es sind. Und das schließe den Täter mit ein, denn dieser sei ja auch ein Opfer seiner Tat.

Den Brüdern sei es um eine „Erklärung“ gegangen. Sie hatten auf Antworten des Täters gehofft – um zu verstehen, was damals passiert war. Doch der Täter habe diese Antworten nicht geliefert. Es habe auch keine ernstzunehmende Entschuldigung oder Kontaktaufnahme gegeben. Ein Umstand, der Woody merklich schmerzte. Eine Tatsache beschäftigt Woody zudem: Und zwar die Tatsache, dass er den Täter mittlerweile auf der Straße treffen könnte. Wie er dann reagieren würden, das sei ihm unklar.

Das Urteil des Gerichtes von damals lautete 3 Jahre und 6 Monate Haft für den Täter. Ein „gnädiges Urteil“ wie Anwalt Römmig anmerkte. Und damit sprach er merklich vielen Anwesenden aus der Seele.

So blieb am Ende seine (nüchterne) Einschätzung: „Jetzt sind wir drei Brüder Mama und Papa. Und wir sind da. Wir helfen und unterstützen uns. Wir sind eine Gemeinschaft. Ich weiß nicht, was ich ohne meine Brüder gemacht hätte.“ Die Schüler*innen stellten Fragen und waren sichtlich ergriffen von den Schilderungen. Die Atmosphäre im Raum war getragen von großer Aufmerksamkeit, Nähe und Emotion. Aber auch Zeit für Anekdoten und Erinnerungen blieb, zumal einige Bilder im Hintergrund den Opfern ein Gesicht gab. Wir endeten mit einer Tradition der Familie Mues: Dem Anklatschen. Immer wenn ein Stück traurig oder schwer war, begann die Familie nach dem Ende im Theater mit dem Klatschen – und rissen so alle mit. So auch bei uns. Wir bedankten uns, gedachten und gingen merklich verändert auseinander.

Unser großer Dank gilt den drei Brüdern: Wanja, Jona und Woody. Wir wissen sehr zu schätzen, dass ihr das möglich gemacht habt. Und natürlich Anwalt Wolf Römmig schließen wir ein: Er war als Jurist ein wichtiger Teilnehmer und konnte / musste uns aus juristischer Sicht viele Dinge erklären und half bei der Einordnung.

Marc Morris und Kay Helge Wendler

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Johannes Kahrs macht mit beim Kneipen-Quiz
Auch er kommt zum Pubquiz: Der Bürgerschaftsabgeordnete Michael Kruse
 

Kneipen-Quiz in der Wichern-Schule

Eine Wahlveranstaltung der anderen Art findet zur Bundestagswahl am Mittwoch vor der Wahl (20.09.) ab 18.00 Uhr im Wichern-Forum statt. Gemischte Teams aus Schülern, Ehemaligen, Lehrern und Politikern spielen Fragen aus dem politischen Bereich. Und das schulformübergreifend.

Wir erwarten Gäste aus der Bürgerschaft und aus dem Bundestag, u.a. Johannes Kahrs (Foto) und Michael Kruse. Das Ziel der Veranstaltung ist klar: Durch spielerische Aufklärung das politische Interesse bei unseren SchülerInnen wecken. Und dabei "quasi nebenbei" mit den Politikern ins Gespräch kommen. So wollen wir zur Teilnahme an der Wahl motivieren - und das ist die Grundvoraussetzung zur Vermeidung von extremen Tendenzen.

Die Idee zu dieser Art der politischen Bildung geht auf den Verein Kleiner Fünf (kleinerfuenf.de) zurück, federführend sind Ehemalige unser Schule daran beteiligt. Unser Wunsch: Keine extremen Parteien im neuen Deutschen Bundestag. Daran arbeiten wir gemeinsam gerne!

Kay Helge Wendler

 

Wer findet den Unternehmer und den Jungpolitiker auf dem Bild??

Jung, dynamisch, authentisch – Jungunternehmer und Landtagskandidat zu Gast im Unterricht

Gleich zwei Ehemalige konnte Politik-Lehrer Kay Helge Wendler bei sich im Unterricht begrüßen: Milad Fahimi und Lukas Kilian haben 2007 ihr Abitur am Gymnasium der Wichern-Schule gemacht und besuchten ihren ehemaligen Lehrer im Rahmen des Unterrichtes in der Oberstufe im Fach PGW (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft). Beide waren übrigens damals auch in unserer Schüler-Vertretung (SV) sehr aktiv.

Milad hat sich vor wenigen Monaten selbstständig gemacht mit einer Firma, welche Oberstufen-SchülerInnen auf das Hamburger Mathematik-Abitur vorbereitet (www.himathe.de). Dabei hat der die schulischen Semester-Themen als vierstündige Module aufbereitet, die auch unabhängig voneinander gebucht werden können. Er konzipiert, organisiert und unterrichtet alle Module (noch) persönlich. Der Erfolg spricht für ihn: Über 500 Kunden hat er so bereits helfen können. Er berichtete anschaulich von seiner Geschäftsidee, gab uns einen Einblick in das Thema Marketing und stellte sein Unternehmen und sich äußerst gekonnt vor, sehr zur Freude seines ehemaligen Lehrers. Dieser bescheinigte: „Konzept, Inhalt und Persönlichkeit haben mich sehr überzeugt. Milad kombiniert persönliche Fähigkeiten mit ökonomischem Denken.“

Einen anderen Weg hat hingegen Milads Freund und Abitur-Mitschüler Lukas Kilian eingeschlagen: Er hat sich – schon während seines Jura-Studiums – der Politik gewidmet Sein aktueller Schwerpunkt ist der Landtagswahlkampf, denn für die im Mai stattfindende Landtagswahl in Schleswig-Holstein wurde er von seiner Partei, der CDU, als Kandidat für den Wahlkreis Stormarn-Süd (u.a mit den Einzugsbereichen Glinde, Oststeinbek und Wentorf) aufgestellt. Lukas nutzte seinen „Heimvorteil“: Er präsentierte sich locker, dynamisch und sehr ehrlich bei den Schülerinnen und Schülern. Der gemeinsame „Wichern-Geist“ war dabei auf jeden Fall spürbar. Ganz bewusst hatte Lehrer Wendler auf eine „Wahlkampf-Veranstaltung“ verzichtet. Deshalb stand der Jungpolitiker Lukas im Mittelpunkt bei den Fragenden. Und so entwickelte sich in ungezwungener Atmosphäre ein sehr tiefer Austausch. Die Schülerinnen und Schüler hatte viele Fragen und wollten beispielsweise wissen, warum er sich überhaupt politisch engagiert und welche Rolle dabei sein Freundeskreis hat. Lukas blieb keine Antwort schuldig - und so sprach man von der Bildungspolitik über die Öffnung der Ehe bis hin zum Politikergehalt wohl jede Frage an, die von Interesse war. Und er rief anschaulich zur politischen Teilhabe auf. Lukas lobte oftmals die tiefgreifenden Fragen seiner „Nachfolge-Generation“ an der Schule. Und sein ehemaliger Lehrer nahm natürlich die Einladungen mit Schülerinnen und Schülern zu einer Veranstaltung mit Finanzminister Schäuble ebenso an wie die Einladung nach Kiel, wenn er denn gewählt werden wird Lehrer Wendler zuversichtlich: „Er hätte es verdient. Auf solche Ehemaligen können wir sehr stolz sein.“ Das gilt für beide Besucher! Danke für Euer Kommen und viel Erfolg bei den anstehenden Aufgaben!

Kay Helge Wendler

Talk zur Bundestagswahl an der Wichern-Schule (29. September 2013)

Unsere Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe hatten die Veranstaltung geplant und vorbereitet. Und so wurde es ein sehr kurzweiliger Abend vor knapp 200 Gästen, bei dem sich die Eingeladenen ganz menschlich präsentierten. Merklich gut vorbereitet waren Anja Hajduk (Spitzenkandidatin der GRÜNEN für Hamburg) und Jürgen Klimke (CDU, Mitglied des Bundestages). Sie glänzten mit viel Fachwissen. Dr. Najib Karim (FDP, stv. Landesvorsitzender) bevorzugte die leisen Töne, was aber sehr angenehm war. Seine Forderung nach individueller Freiheit bei vielen Entscheidungen blieb nicht ungehört. Und auch Sabine Boeddinghaus (DIE LINKE, Platz 2 der Landesliste) konnte überzeugen - besonders bei sozialen Themen, bei denen sie vehement für Verbesserungen eintrat. Schließlich war mit Johannes Kahrs (SPD) ebenfalls ein erfahrenes Mitglied des Bundestages vor Ort, der nicht nur durch seine betont lockere Art sehr viel Zustimmung erzielen konnte.
Einen Gewinner an diesem Abend gab es ganz sicher: Die Demokratie. Denn es wurde deutlich: Politik kann auch spannend und unterhaltsam sein. Das wurde anschaulich vermittelt. Und unsere Gäste waren voll des Lobes für diese Veranstaltung. So wurden wir abschließend von Frau Hajduk zum "Gegenbesuch" in Berlin nach der Bundestagswahl eingeladen.  (Kay Helge Wendler)

SpitzenkandidatInnen aus Berlin und Hamburg kommen zum "Wichern-Talk zur Bundestagswahl"

am 29. August 2013 (19.00 Uhr)

Die Bundestagswahl im September 2013 beeinflusst auch den Politik-Unterricht in der gymnasialen Oberstufe. Was genau wollen die Parteien eigentlich? Worin unterscheiden Sie sich? Und warum sollte ich überhaupt wählen gehen?

Diese Fragen unserer Schüler geben wir an die Hamburger Bundestagskandidaten weiter. Eingeladen haben die PGW-Kurse von Herrn Dr. Schäpers, Herrn Rengstorf und Herrn Wendler die Hamburger Spitzen der aktuell im Bundestag vertretenen Parteien. So haben mit Johannes Kahrs (Wahlkreiskandidat der SPD in HH-Mitte),  Marcus Weinberg (Spitzenkandidat der CDU für HH), Anja Hajduk (Spitzenkandiatin der GRÜNEN in HH), und Sabine Boeddinghaus (Listenplatz 2 von Die Linke) bereits vier bekannte Gesichter  ihr Kommen fest zugesagt. Offen ist noch, ob Frau Canel von der FDP kommen kann. Sie alle stellen sich unseren Fragen - es dürfte ein spannender Abend im Wichern-Forum werden.