Abschiedsgottesdienst für die Kinderbischöfinnen
Die Amtszeit der drei Kinderbischöfinnen der Wichern-Schule, Amilia, Anastasia und Paula, ist offiziell zu Ende gegangen. Bei einem feierlichen Gottesdienst in der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern wurden sie von Hauptpastor und Propst Dr. Martin Vetter entpflichtet.
Seit dem Beginn ihrer Amtszeit im Dezember hatten die Kinderbischöfinnen verschiedene Orte und Projekte besucht und sich mit den Chancen und Herausforderungen der Inklusion von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf oder einer Behinderung beschäftigt. Amilia, Anastasia, Paula sowie ihre Mitschüler*innen der 6. Klassen von Stadtteilschule und Gymnasium befassten sich in verschiedenen Projekten mit dem Thema „Für eine Anerkennung unserer Vielfalt: Wir sind nicht gleich, aber alle gleich wertvoll! Wir wollen Beteiligung und Gleichberechtigung für alle Kinder.“
Bei dem abwechslungsreichen Gottesdienst konnten sie nun die Ergebnisse vorstellen.
Präsentationen der 6. Klassen zum Thema Vielfalt
Die 6C etwa hatte das Thema „Gehörlos Musik erleben“ und führte den Song „Applaus, Applaus“ der Band Sportfreunde Stiller in Gebärdensprache auf.
Die 6B schilderte in kleinen Szenen zu den Themen ADHS, Stottern, Gehörlosigkeit und Sehbehinderung die spezifischen Herausforderungen und ihre besonderen Begabungen.
Die Musikklasse 6G1 wiederum machte anhand des Themas „Neurodiversität“ deutlich: Es ist normal, anders zu sein! Im Kontext des Liedes „We are the World“, das das Orchester der Klasse vorspielte, betonten die Kinder: So verschieden wir sind – wir gehören zusammen.
Die 6G3 hatte sich der Fragestellung gewidmet „Wie barrierefrei ist unsere Schule und ihre Umgebung für Menschen mit Sehbehinderung?“ Dazu hatte die Klasse den „Dialog im Dunkeln“ besucht.
Die 6A hatte sich mit dem Motto beschäftigt „Du bist gut so wie du bist, mit deinen Stärken und Schwächen“, die 6G2 reflektierte in zwei gespielten Szenen Jesu Umgang mit kranken oder von der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen.
Predigt der Kinderbischöfinnen
Im Anschluss an die Präsentationen hielten die drei Kinderbischöfinnen ihre Predigt. Darin erzählten sie unter anderem von ihrem Besuch im Rathaus bei Ulrike Kloiber, der Senatsbeauftragten für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. „Frau Kloiber hat uns gesagt, dass Barrieren ja nicht nur in einem Gebäude oder auf einem Weg zu finden sind“, berichtete Paula. „Meistens befinden sich die Barrieren, die andere Menschen bei etwas behindern, in uns, in unserem Kopf.“
Des Weiteren schilderte Amilia die Begegnung mit der Assistenzhundetrainerin Sina Rademacher, Anastasia die spannende Erfahrung bei „Dialog im Stillen“, wo sich die Kinderbischöfinnen in das Erleben von Gehörlosigkeit hineinversetzen konnten. Darüber hinaus stand während ihrer Amtszeit auch der traditionelle Besuch bei der „echten“ Bischöfin Kirsten Fehrs auf dem Programm.
Amilia schloss die Predigt mit den Worten: „Wenn wir zusammenarbeiten, können wir viel erreichen, das habe ich in den letzten Monaten gelernt. Und wenn jemand etwas braucht, dann finden wir Hilfe. Es sind Menschen da, die helfen. Das macht mir viel Mut. Ich hoffe, dass Gott allen Menschen hilft, gut und gerecht und in Frieden zu leben.“
Kinderbischöf*innen haben Tradition an der Wichern-Schule
Seit 1994 werden alljährlich Schüler*innen der Wichern-Schule in der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern in ihr Amt als die drei Hamburger Kinderbischöf*innen eingeführt. Sie setzen sich seitdem mit ihren Klassen für bessere Lebensbedingungen und die Rechte der Kinder in Hamburg ein. Sie wollen Sprachrohr für Kinder und Kindheit in der Metropole sein. Die Hamburger Kinderbischöf*innen gehen zurück auf einen mittelalterlichen Brauch, der in ganz Europa verbreitet war.
zurück